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13. Mai 2017

Unterstützung bei der Integration

Verein "Freunde des Friedens" fördert das kulturelle Miteinander / Einsatz bei Stadtputzede, Teilnahme am Schlüchtseelauf.

  1. Der Verein „Freunde des Friedens“ bietet auf dem Wochenmarkt internationale Spezialitäten aus den jeweiligen Herkunftsländern einiger Mitglieder. Mit dem Erlös werden Aktivitäten der Mitglieder finanziert. Foto: Martha Weishaar

BONNDORF. Sie möchten Menschen miteinander ins Gespräch bringen, Vorurteile abbauen und Integration ermöglichen – die "Freunde des Friedens". Im vergangenen Jahr haben sich zu diesem Zweck ein paar Dutzend Engagierte um Hamada Bitar zusammengetan, seit drei Monaten sind sie ein eingetragener Verein mit aktuell 70 Mitgliedern.

Etliche Nationalitäten tummeln sich in dem Verein, der nicht nur Ansprechpartner für Flüchtlinge, sondern für alle ausländischen Mitbürger sein möchte. Neben dem Austausch der Kulturen und der Förderung der Integration möchte sich der Verein unabhängig von politischer, religiöser und ethnologischer Gesinnung mit Fragen des kulturellen Erbes auseinandersetzen. So sind jedenfalls die Vereinsziele formuliert. Ein weiteres Anliegen ist es, das Zusammenleben entsprechend der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen sowie im Sinn des deutschen Grundgesetzes zu fördern.

Wie versucht der Verein, seine Ziele zu verwirklichen? Hamada Bitar, der im Dezember 2013 nach Bonndorf kam und als Vereinsgründer auch erster Vorsitzender ist, hat viele Ideen. Unermüdlich motiviert der Mann aus Syrien die Männer und Jugendlichen dazu, dass sie sich jeden Sonntag am Wellendinger Sportplatz zum Kicken treffen. Zwischen 30 und 40 Fußballbegeisterte spielen dort bei nahezu jedem Wetter mit- oder gegeneinander. Manchmal trifft man sich auch beim Hobbyland zum Basketballspiel. Das bringt die Kulturen auf sportlich lockerer Ebene zusammen. Denn eines darf man nicht vergessen: Auch bei den Flüchtlingen, die hier ankommen, gibt es Misstrauen untereinander. Schließlich wissen die Menschen aus Bürgerkriegsländern zunächst nicht, welche Gesinnung ihr jeweiliges Gegenüber hegt. "Wir müssen erst mal Vertrauen untereinander aufbauen", sagt Hamada. Er erinnert sich nur zu gut an seine eigenen Erwartungen. Und an die Enttäuschung, die zwangsläufig folgte. "Ich komme aus Homs, einer Stadt mit 700 000 Einwohnern und freute mich auf die Menschen in Deutschland. Doch als ich hier war, waren die Straßen leer, ich kam mir ganz allein vor", fasst er seine damalige Gefühlslage zusammen.

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Basierend auf den eigenen Erfahrungen wollen er und seine Mitstreiter nun andere unterstützen. Sie bieten unter anderem Computerkurse an, haben extra dafür acht Laptops organisiert. Sie knüpfen Kontakte über die Ortsgrenze hinweg, vernetzen sich mit Menschen in ähnlichen Situationen, die in Ühlingen-Birkendorf, Lenzkirch, Stühlingen, Blumberg oder Wutach leben, organisieren Nationalitätenabende. Jüngst halfen Vereinsmitglieder bei der von der CDU organisierten Stadtputzete.

Verlässliche Unterstützung erfährt der Verein aus den Reihen des Asyl-Helferkreises, freut sich der Vorsitzende. Für den Schlüchtseelauf haben die Freunde des Friedens 32 Personen angemeldet. "Das sind gute Gelegenheiten, mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen", hofft Hamada Bitar. Vielen sei die Startgebühr zu hoch gewesen oder sie hatten – je nach Herkunft – gar kein Verständnis, dass man für die Teilnahme an einem Lauf überhaupt etwas bezahlen muss. Das Problem konnte gelöst werden, auch dank der privaten Unterstützung von Helfern des Asylkreises und des Vereins. Um derlei Dinge finanzieren zu können, verkaufen die Freunde des Friedens auf dem Wochenmarkt internationale Spezialitäten. Adnan Aoudah, syrischer Koch, der in Weizen lebt, bereitet die Köstlichkeiten mit weiteren Helfern zu und es gibt viele aufgeschlossene Marktbesucher, die ihren Speisezettel gelegentlich mit Jalanji, Moajana, Mandi oder Tabouleh auflockern oder zwischendurch mal ein Barasea knabbern. Hamada betont indes, dass es dem Verein nicht um Spenden oder finanzielle Unterstützung geht, sondern vielmehr um Akzeptanz. "Ich will nicht, dass die jungen Männer das ganze Wochenende im Bett liegen, weil sie nichts mit sich anzufangen wissen", sagt der Veranstaltungstechniker und sprüht vor Ideen, was man noch alles gemeinsam unternehmen könnte. "Wir möchten den Menschen, die hier ankommen zeigen, wie sie sich integrieren können und sie ermutigen, dass sie ihre Träume verwirklichen, einen Job finden oder eine Ausbildung machen können", fasst er die Ziele des Vereins zusammen.

Autor: Martha Weishaar


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